Dienstag, März 08, 2005

Der STOLZ der VERLIERER

BRAND EINS, bekannt dafür die hippen Trends zu scouten, Fashion an die Frau oder den Mann zu bringen und auch dafür ab und zu mal eine kritische Reportage zur New Economy zu veröffentlichen, hatte im letzten Jahr auch einen Beitrag zu SIDO im Heft... .

Da ja nun, einerseits ausgelöst durch die neue Veröffentlichung von Anarchist Academy, andererseits durch den Blog von Bessere Zeiten, die Diskussion 'Was geht im deutschen HipHop' wieder läuft einige Auszüge aus dem Artikel:

Sido ist ein netter, eher ruhiger Typ. Ich treffe ihn in der Wohnung seiner Mutter (damit habt ihr nicht gerechnet, was? Aber das hat einen Grund, nur Geduld), die lächelnd daneben sitzt, während wir uns unterhalten. Später kommt auch noch seine hübsche kleine Schwester dazu. Sido ist der neue Star des deutschen HipHop, seitdem seine Debüt-CD „Maske“ im April auf Platz drei der Hitparade landete. Das lag vor allem an dem Hit „Mein Block“, einer Hymne auf das Märkische Viertel (von seinen Bewohnern liebevoll MV genannt), einer Neubausiedlung im Norden Westberlins, in der Sido aufgewachsen ist und heute wieder wohnt. Von diesem Track fühlen sich viele angesprochen, ganz besonders wohl die ignorierte schweigende Mehrheit, die in den unzähligen deutschen Großsiedlungen lebt.

Meine Stadt, mein Bezirk, mein Viertel, meine Gegend, meine Straße, mein Zuhause, mein Block, meine Gedanken, mein Herz, mein Leben, meine Welt, reicht vom ersten bis zum 16. Stock.“ Sido, „Mein Block“

Hochhaussiedlungen sind nicht unbedingt populär: Wer in den besseren Vierteln wohnt, kennt meist niemanden in der Platte. Und umgekehrt. Nicht mal als soziale Brennpunkte sind die in den sechziger Jahren hastig geplanten Quartiere interessant, denn Armut, Arbeitslosigkeit und Alkoholismus bringen keine Einschaltquoten. Das Wissen um die Viertel ist folgerichtig vage: irgendwie hässlich, irgendwie gefährlich, irgendwie asozial. Und kriminell. Obwohl im MV, erbaut 1963 bis 1974 und bewohnt von rund 40 000 Menschen, die Kriminalitätsrate im Berliner Vergleich im Mittelfeld liegt. Aber das hat spezielle Ursachen. „Die Kriminalitätsstatistik ist hier auch so niedrig, weil wir oft nicht zur Polizei gehen. Wir haben unsere eigene Justiz“, sagt Sido. „Wenn hier zum Beispiel einer Heroin verkauft, gehen wir hin, verhauen den, das Heroin wird ins Klo gespült und fertig. Wir klären das selber.“ Der Rapper kennt sich aus im MV, seine Geschichte ist für die Gegend in vielen Punkten typisch. Allein dass sich Menschen dafür interessieren, ist ungewöhnlich.

Sido (der früher natürlich anders hieß, aber „Früher ist vorbei, heute ist die Zeit, die zählt“, wie sein Kumpel B-Tight in dem Stück „Früher“ vollkommen richtig feststellt) kam ins MV, als er in die fünfte Klasse ging. Das ist die Phase, in der man anfängt zu schauen, was für Klamotten die anderen Kids tragen, um sich darzustellen, abzugrenzen und zu behaupten. Doch was tust du, wenn alle teure Marken haben, während du Polenfälschungen trägst, weil du dir nichts anderes leisten kannst? Genau, du machst Musik. Sido begann zu rappen.

Battle-Raps sind für Außenstehende gewöhnungsbedürftig. Oft geht es ums Ficken, ich fick dich, und du kriegst keinen hoch, ich fick dich in den Arsch, bis du nicht mehr kannst, und so weiter. Aber das ist alles halb so wild: „Die Leute nehmen das zu ernst“, meint Sido. Die Sachen sollen dreckig sein, aber auch witzig, vor allem durch Selbstironie und Übertreibungen. „Manchmal geht es nur darum, jemandem extra einen reinzudrücken. Es hieß zum Beispiel, ‚ihr redet immer nur über Arschficken‘. Das stimmte nicht, aber deswegen habe ich einen Song zum Thema gemacht, den ‚Arschficksong‘.“

Die Härte hat mit der Herkunft des Genres zu tun: Rap wurde in den USA in schwarzen Ghettos erfunden, auch der bekannteste weiße Rapper, Eminem, soll aus einem Trailerpark stammen, einer Wohnwagensiedlung, eine US-Variante des Armenviertels. Das permanente Herausfordern in der Szene erzeugt einen enormen Wettbewerbsdruck, der sehr demokratisch ist: Weil man für Rap keine Produktionsmittel braucht, kann theoretisch jeder ein Star werden. In Deutschland war HipHop bisher allerdings eher ein von Plattenfirmen gefördertes Mittelstandsphänomen oder Teil der kritischen Kultur. Sido ist der erste deutsche Rapper, der sich tatsächlich von ganz unten nach oben gerappt hat.

Das war nicht einfach. Sido ging mit der Durchschnittsnote 4,7 von der Schule, brach eine Ausbildung als Erzieher ab und lebte auf der Straße, bevor er sich mit seinem Freund Bobby eine Wohnung teilte, die immer kalt war, weil sich die beiden keine Kohlen leisten konnten. Und das Klo war auf dem Hausflur. Das Einzige, was neben Sex, Drogen und Überleben zählte, war die Musik. Mit Bobby alias B-Tight bildete Sido das Duo Die Sekte, später umbenannt in A.I.D.S. (Alles Ist Die Sekte). Die beiden veröffentlichten Kassetten, bis sie 2001 von dem gerade gegründeten Label Aggro Berlin unter Vertrag genommen wurden, bei dem sie noch heute sind. Wie kommt man zu einer derartig extremen Karriere?

„Ich wollte nicht enden wie alle anderen. Ich habe mir vorgestellt, wie es weitergeht: Du hast irgendeinen Beruf, aber nur, weil es sein muss. Abends kommst du nach Hause und streitest dich mit deiner Frau. Und das halbe Jahr freust du dich auf den Urlaub, weil du da endlich Ruhe hast.“

Ein Vorbild will Sido trotzdem nicht sein. „Ich werde niemandem sagen, dass er leben soll wie ich. Wenn ihr die Möglichkeit habt, kauft euch schöne Klamotten, seht gut aus, kümmert euch. Ich musste kämpfen, aber man weiß nie, ob ein anderer mit dem Leben so umgehen kann wie ich. Ich habe viele Leute untergehen sehen. Ich bin ein gutes Beispiel, wie es laufen kann, aber ich bin auch ein seltenes Beispiel.“

Im Märkischen Viertel muss man nicht lange suchen, um erlierer zu finden. „Alle, die hier noch wohnen, sind gescheitert. Mein früherer ehemaliger Freund arbeitet jetzt bei der Bank, der ist weggezogen. Das geht auch nicht anders. Du triffst hier deine Freunde, die dauernd kiffen und Playstation spielen, während du selber ins Bett musst, weil du morgens zur Arbeit gehst.
Das macht keinen Spaß. Da musst du dich entscheiden: Wenn du arbeitest, darfst du hier nicht mehr sein, weil dich alles ablenkt.“

Das MV als Freizeitpark: Wer nicht säuft, der kifft, in jedem Haus gibt es Dealer. Geld hat niemand, aber da findet sich eine Lösung: Einige Leute stehen früh auf, damit sie rechtzeitig in den Bürohäusern sind, pünktlich zur Frühstückspause, in der sie durch die leeren Räume laufen und alles einstecken, was man brauchen kann, Geld, Handys und so weiter. „Klauen lernen hier manche Kinder mit fünf, wenn die Mutter im Supermarkt sagt, komm, nimm mal mit.“ In dem Punkt hat Sido mit seiner Mutter Glück gehabt. Und das hat er ihr mit einem der rührendsten Lieder gedankt, die in den vergangenen Jahren in Deutschland entstanden sind.

„Ich wollte nie sein wie ihr, keiner hat’s verstanden, keiner von den Freunden, auch keiner von den Verwandten, nur meine Mutter hat immer hinter mir gestanden, sie bereut’s auch nicht – Mama ist stolz auf dich.“ Sido, „Mama ist stolz“

Den Refrain „Mama ist stolz auf dich“ hat Mama selbst eingesprochen. Und auch sonst ist die Frau, die sich als Löwenmutter bezeichnet, eine Freude: „Ich habe immer Vertrauen zu meinen Kindern gehabt, und wenn man jemandem Vertrauen entgegenbringt, wird einem auch vertraut.“

Aber natürlich weiß sie, dass nicht alle so viel Glück und Talent wie ihr Sohn haben. „Für viele Jugendliche hier im Viertel gibt es keine Perspektive.“ Was sollen sie denn tun? Da geht eine ganze Klasse von der Schule, 20 Leute, aber nur zehn haben einen Ausbildungsplatz. Der Rest wird vom Arbeitsamt in Programme gesteckt, in denen sie in sechs Monaten einen Gabelstaplerschein machen – und was dann? Die Kinder haben keine Ahnung, wie es weitergehen soll, die Eltern wissen es ebenfalls nicht, und es gibt niemanden, der es ihnen erklärt. Am Ende heißt es, sie seien dumm, faul oder kämen aus einer asozialen Familie. Aus der Neubausiedlung eben.

Sido ist trotzdem froh, dass er hier aufgewachsen ist. „Die Gegend hat mein Leben bestimmt, mein Reden, mein Handeln, mein Denken, wie ich eine Frau anmache, wie ich mich auf einer Party benehme, wie ich zu meiner Mutter gehe. Das Märkische Viertel hat mich gelehrt, geradeheraus zu sein, und wie wichtig Freunde sind. Und mein Motto: Tu niemandem etwas an, was du nicht selber erleben willst. Ich habe das auch gelernt, weil hier nicht viele danach leben. Man nimmt sich ja oft ein gutes Beispiel an schlechten Vorbildern.“

„Früher hab ich auch meine Mutter beklaut, im Suff wurde ich dann meiner Mutter geraubt, früher war das Jugendamt schlimmer als die Polizei, heute ist der ganze Scheiß gottseidank vorbei.“ B-Tight, „Früher“

Die Mühe wird aber auch anerkannt. „Aggro Berlin ist ein Gottesgeschenk. Kein anderes Label wäre mit mir zurechtgekommen“, weiß der Rapper Fler, der im Juli seine erste Single „Aggro Berliner“ veröffentlicht. Fler spricht sehr schnell, er sagt, er war schon immer hyperaktiv. Zügig erzählt er seine Geschichte: mit 15 in die Psychiatrie wegen Angstzuständen, danach ins Heim, später ins betreute Einzelwohnen. Im Heim begann er eine Lehre als Maler und Lackierer, die er aber nicht beendete.

Na, und?

„Alle, die gesagt haben, lass das Rappen, mach deine Ausbildung fertig, haben Unrecht gehabt. Ich sehe meine Kollegen, die ihre Ausbildung abgeschlossen haben – die sind alle arbeitslos.“

Was nicht heißen soll, dass jetzt alles gut ist. „Ich habe die Schule verkackt, die Ausbildung verkackt, irgendwas muss ich machen. Es geht darum, dass du nicht verhungerst. Wenn das mit der Musik nicht klappt, kann ich mir einen Sarg bauen. Ich muss das durchziehen, ich brauche Erfolg. Ich kriege jetzt Geld von Auftritten und von Aggro, wenn das weg wäre, weiß ich nicht, ob ich damit klarkäme. Ich glaube, ich würde wieder kriminell werden. Ich habe nie Drogen verkauft, aber ich habe in Supermärkten in die Kasse gegriffen. Ich habe mir immer das genommen, was ich wollte.“

Das Leben als Kleinkrimineller kennen sie alle. Einer von den Kumpels sitzt gerade im Knast, wegen, na, sagen wir mal, Geschäften. Überhaupt haben sie viel gemeinsam:

Keiner der Jungs kennt seinen Vater. Alle kiffen. Und alle wollen berühmt werden. Fler meint: „Berühmt sein ist das Einzige, worum es geht.“

Und um Geld. Fler? „Auf jeden Fall. Wenn du dir nichts leisten kannst, bist du am Arsch. Ich bin 22 und habe zum ersten Mal ein Zimmer, in dem nur steht, was mir gefällt. Ich bin echt glücklich. Ein Kind, das immer haben konnte, was es wollte, versteht so was gar nicht.“ Das passt zu dem, was Sido sagte. „Ich habe lange auf der Straße gelebt und bin echt dankbar für das, was ich erreicht habe.“

Ja, so einfach könnte es sein. Ein paar Jungs, die nichts haben, kämpfen sich nach oben, um endlich anständig shoppen zu können. Die klassische Aufsteigergeschichte, Materialismus pur. Und vielleicht ist das alles. Aber vielleicht hat auch Sidos Mutter Recht: „Ich sehe die Texte meines Sohnes anders, ich höre, was dahinter steht. Er ist ein kleiner Aufklärer. Er sagt den Leuten: Kommt endlich zu Verstand.“ Also noch mal zum Anfang.

„Ihr würdet mich gerne eintüten und wegpacken, denn ich pass euch nicht in den Kragen wie ein Specknacken.“ Sido, „Ghettoloch“

Das Märkische Viertel. Sido nennt es ein Ghetto, und das ist es, wie fast alle Neubausiedlungen in Deutschland: räumlich und sozial isoliert, bewohnt von Sozialhilfeempfängern, Arbeitslosen und Immigranten, ein nicht geringer Bevölkerungsteil, der in der öffentlichen Wahrnehmung nicht mehr vorkommt.

Wir sitzen in der Wohnung von Sidos Mutter, die darum bittet, dass man hinter die Worte guckt, es ginge nicht einfach um Beschimpfungen. Und dann sagt sie: „Die da oben sind doch alle durchgeknallt.“

Sido hat eine dazu passende Vorstellung von Erfolg: „Geld, Sex, Gewalt und Drogen – das ist mein Bild von ganz oben. Wenn man Leute wie Friedman sieht oder Beckenbauer, dann weiß man, dass es nur darum geht. Die betrügen alle ihre Frauen. Und Gewalt muss ja nicht heißen, dass man jemanden schlägt.
Egoismus, immer an sich denken, die Ellbogengesellschaft – das ist Gewalt. Kürzlich zum Beispiel, bei Big Brother, sagte Karim, der früher bei Touche war, er brauche jeden Tag eine halbe Packung Zigaretten, die will er haben. Die haben da alle nur zwei Kippen, aber er will eine halbe Schachtel, weil er mal ein Promi war – das ist doch Gewalt.“

Sido, der jetzt, da er Geld hat, den Kühlschrank seiner Mutter auffüllt, und, wie amerikanische HipHop-Stars (Ice-T, guter Mann!), seine Kumpel in seine Geschäfte einbinden will, meint: „Wir sagen eigentlich nur, was wirklich passiert.“ Etwas zugespitzt vielleicht.

B-Tight: „Die Wahrheit ist schwer zu ertragen, deswegen machen viele so einen Aufstand. Sag mal einem Alkoholiker, du brauchst eine Therapie – der regt sich auf. Genauso ist es mit Deutschland. Die Leute wollen nicht wissen, wie es wirklich ist.“

B-Tight nennt sich „Der Neger“, weil er einer ist, zumindest zur Hälfte, und rappt über sein Talent als Beischläfer, den die Frauen anbetteln: „Neger, Bumms mich, Bumms mich hart“. B-Tight, „Bumms mich“

Und natürlich gibt es in der Provinz immer Sozialpädagogen oder Feministinnen, die das oder irgendwas furchtbar finden und verbieten lassen wollen, weil alles egal ist, solange nur alles ruhig ist. Die Verdrängungsmaschine läuft auch bereits: Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften bearbeitet derzeit drei Anträge auf Indizierung mehrerer CDs von Aggro Berlin.

Dabei ließe sich von den Jungs viel lernen. Nicht nur interessante neue Worte und Sexualpraktiken. Sie haben auch eine Botschaft, diese Typen, die übers Ficken reden, als wären sie die Bosse, aber tatsächlich zu den Gefickten gehören, ganz unten auf der sozialen Leiter, wo es nicht mehr weiter runtergeht. B-Tight?

„Meine Botschaft ist: Mach, was du kannst, bleib, wer du bist, und pass immer auf, denn auch wenn du denkst, es gibt keine Probleme, wirst du welche haben. Und achte auf deine Freunde, ohne Freunde kannst du alles vergessen.“

Fler sieht das ähnlich. „Familie ist wichtig, Freunde sind wichtig. Wenn du dein Geld nicht mit Freunden ausgeben kannst, brauchst du kein Geld.“

Seine Botschaft: „Sitz nicht rum, sei kein Opfer. Du bist ein guter Schlüsselmacher? Dann mach Schlüssel, vielleicht wirst du damit Millionär. Da gab es diese Vögel aus Kreuzberg mit Hornbrillen und Untergewicht, die immer nur am Computer gesessen haben, die haben eine Firma gegründet, Jamba, und dafür irgendwann 20 Millionen auf dem Konto gehabt. Das ist echt krass.“

… Homies, die sind doch süß und nicht gefährlich?

BAHRAIN against BLOGGER

In Bahrain gehts ab. Der lokalen Presse des kleinen Königreiches war die Verhaftung des jungen Mannes letzten Sonntag nur eine kurze Nachricht wert. Mittlerweile dürfte sich auch der reformerische König sorgenvoll durch den Bart fahren.

Ein Verdächtigter, der Hetze gegen die Regierung beschuldigt, wurde, wie die General-Staatsanwaltschaft mitteilte, Ende Februar in eine 15 tägige Untersuchungshaft genommen.

Seine Verhaftung erfolgte auf einen Hinweis des Informationsministeriums, wonach die von ihm geführte Webseite "Bahrain-Online" Nachrichten, Bilder und Informationen verbreitet, die zu Hass anstiften.

Laut TELEPOLIS hat der Verdächtigte ein Eingeständnis in allen Punkten der Anklage abgegeben…

In der Journalisten- und Bloggergemeinde von Bahrain war die Nachricht von der Verhaftung Ali Abdulemams am 27. Februar ein Schock. Schon im November letzten Jahres hatte der weit über die Landesgrenzen hinaus bekannte Blogger Mahmood anlässlich der damaligen Verhaftung des Menschenrechtlers Abdel Hadi al-Khawaja verkündet, dass es nicht mehr sicher sei, in Bahrain seine Meinung zu äußern und seinen Blog vorläufig geschlossen. Am Tag der Verhaftung von Ali Abdulemam, der das Diskussionsforum Bahrain-Online betrieben hat und einen Blog, überschrieb Mahmood seinen Post mit der Frage: "Is it worth it?" und äußerte - sehr viel vorsichtiger als sonst - seine Entrüstung über das Vorgehen der Behörden:

Die drakonische Art der Verhaftung ist alarmierend. Mit einem Haftbefehl vom Generalstaatsanwalt ausgestattet, kam die Polizei zur Wohnung von Ali Abdulimam und nahm, da er selbst nicht zuhause war, willkürlich seine Schwester mit, um wahrscheinlich sicherzustellen, dass er die Polizei aufsuchen würde…Während ich mich mit meinem Urteil zurückhalte, hoffe ich, dass Ali und andere Bloggerfreunde realisieren, wo die Grenzlinie liegt. Denn wenn man nicht genau weiß, wo sie verläuft, ist das ein gefährliches Unterfangen…

Es ist von vitaler Bedeutung, dass man versteht, dass mit der Meinungsfreiheit auch Verantwortung einhergeht. Es geziemt sich für uns zu vergegenwärtigen, dass wir wie "reguläre Journalisten" sicherstellen müssen, dass wir keine Menschen, Symbole oder Wesen diffamieren ohne einen gerechten Grund dafür…

Es ist zu früh für mich, um Ali und seine Verhaftung zu beurteilen. Es hat sich jedoch wieder einmal gezeigt, dass die Regierung ihre Grenze überschritten hat, um die Reformversuche des Kronprinzen aus dem Gleis zu bringen.

Am darauf folgenden Tag, dem 28. Februar, meldete " Reporter ohne Grenzen" die Verhaftung von zwei weiteren Mitarbeitern des Internetdiskussionsforums Bahrain-Online, Muhammed Almosavi und Hussein Jousif.

Die couragierte Bahrainische Bloggerin Bahrainia erkennt in den Verhaftungen der Bahrain-Online-Moderatoren den Beginn einer größeren Kampagne seitens der Regierung gegen oppositionelle Stimmen. Nach ihren jüngsten Informationen, sollen mehr als 30 Leute auf der Liste stehen, die sich der Polizei für Anhörungen stellen müssen.

Und ist ja natürlich klar, was zu fordern ist:
FREIHEIT FÜR Ali, Hussein und Muhammed!

Montag, März 07, 2005

DEUTSCHE PRESSE? In die F R E S S E!


Liebe Gemeinde, heut möchte ich, nachdem gestern schon der
ANTIBERLINER und vorher die JUNGLE WORLD ihr Fett abbekommen haben, mal quer durch die aktuelle Tagespresse sowie Linkspresse ein wenig polemisieren. Der deutsche Blätterwald gab ja auch genug her...

Beginnen möchte ich mit der besten Schlagzeile der letzten Woche, und ihr werdet es nicht glauben, sie kommt von der Berliner Ausgabe der BILD - Zeitung aus dem Hause Axel Springer. Diese hatte folgende Schlagzeilen am 25. Februar 2005 in Berlin am Start:

Sie wollte braun werden...
BERLINERIN AUF SONNENBANK EXPLODIERT!

Frage: Wer oder was ist nun wirklich explodiert. Die Frau? Oder doch nur die Sonnenbank? Kennt sich da jemand vielleicht technisch aus? Ich nämlich nicht. Das Menschen explodieren, lag bisher nach meiner Erkenntnis, immer daran das sich die jeweiligen Personen zuviel Sprengstoff um den Bauch geschnallt hatten ... Spontane Selbstentzündung hielt ich bisher für ein hartnäckiges Gerücht, aber eben nur ein Gerücht...

War dies also womöglich der erste Selbstmordanschlag gegen den wirtschaftlich-militärischen Komplex der BRD von den antiimperialistischen Linke, der natürlich deswegen als unpolitisch von den deutschen Behörden vertuscht wird? Wäre ein wenig deplaziert, ... Georg W. Bush war doch in Mainz, nicht in Berlin... Oder waren hier doch die Neonazis am Werk?

Ein Hinweis dahingehend ist ja auch in der Überschrift verborgen. Vielleicht war es ja eine der braunen Kameradinnen, die sich letzte Woche in Potsdam beim Plakatieren von der Polizei erwischen lassen hat, und nun ihre Verfehlung gegenüber der ‘nationalen Bewegung’ durch ein Selbstmordattentat ausbügeln mußte...?

Keine schlechte Theorie! Bleiben noch einige Fragen: Wieso sollte für die Braunen eine Sonnenbank derzeit ein anschlagsrelevantes Ziel sein? Wegen der Endsilbe ‘Bank’ in dem Wort womöglich? Weil die Kameraden in den Bräunungsstudios immer so viel Farbe abbekommen, dass sie in der Zone womöglich schon nicht mehr die nichtdeutschen Braunen von den deutschen Braunen unterscheiden können? Oder war die Sonnenbank einfach nur aus dem Ausland? Fragen über Fragen...

Doch zu einem anderen Fall: Letzte Woche lag mal wieder die aktuelle
KONKRET in meinem Briefkasten. Eigentlich selten ein Grund sich aufzuregen, doch diesmal lag der Grund gleich als Werbebeilage bei. Er fiel mir sofort, als ich die Zeitung aus dem Briefkasten holte, in die Hände. Die Abonnentinnen wissen bestimmt schon was ich meine. Es handelt sich beim dem bunt bedrucktem Papier um eine Werbung für die aktuelle PRO ASYL CD ‘ON THE RUN’. Habe zu dieser Thematik, so denke ich, schon genug gesagt, doch ein paar empörte Leserbriefe an die Redaktion sollten meiner Meinung nach wohl nicht schaden... .

Zu einem anderen Thema. Oder doch nicht? Na ja doch... Wo Leserbriefe echt fürn Arsch sind, eigentlich alles fürn Arsch ist, da sollte die Axt im Blätterwald mal zugange sein. Es tut mir leid, aber manchmal habe ich die omnipotente Vorstellung mit einer Motorsäge durch die Redaktionsräume der BERLINER ZEITUNG zu gehen und dort mal aus der gepflegten Langeweile ein wenig Hackethal draus zu machen. Die haben es echt verdient, das mal eine/r ihnen den Riot in die Redaktion trägt...

Konkret geht es mir diesmal um ein Interview mit dem ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker welches mir mein Abendbrot komplett wieder aus allen meinen Mägen katapultierte...

DEUTSCHLAND IST BEI SICH SELBST ANGEKOMMEN, NÄMLICH IN EUROPA

... war schon mal die offenherzige Überschrift des Interviews welches im BERLINER ZEITUNG MAGAZIN dieses Wochenende erschien. Gleich die Antwort auf die erste Frage brachte den ersten, meiner sieben Mägen, zum völligen Kollabieren und damit auch zum Kotzen. Auf die Frage, ob denn der 8. Mai für den Weizsäcker - Arsch ein Feiertag sei, antwortete er trocken: „Ein Feiertag bestimmt nicht, das ist er nie gewesen.“ Sieg Heil, möchte man da eigentlich nur anschließen.

Aber, als ich vom Klo kam, mußte ich feststellen, dass dies nur die Aufwärmrunde war. Was der Wehrmachtssoldat Weizsäcker so alles zu erzählen hatte... . Also rein in den Text:

In ihrer Rede vom 8. Mai 1985 haben sie ihn als Tag der Befreiung bezeichnet. Das hat damals für ungeheuer viel Aufregung gesorgt.

Weizsäcker: Der 8. Mai war ein Datum, an dem Leid und Unglück, Tod und Heimatverlust nicht beendet wurden, sondern für viele Menschen überhaupt erst begannen. Aber es war auch der Tag, an dem die das Unglück begründende nationalsozialistischen Herrschaft zu ihrem Ende kam. Das galt für die von Bomben immer wieder bedrohten und zerstörten Städte, das galt für die Konzentrationslager und das galt auch für die Soldaten an der Front. In diesem Sinne war und ist der 8. Mai ein Tag der Befreiung.

Wo waren sie selbst an diesem Tag?

Ich war auf Genesungsurlaub, weil ich im April in Ostpreußen verwundet worden war. Zur Genesung war ich in der französischen besetzten Zone in Süddeutschland, dort war der Krieg schon Ende April zu Ende gegangen. Der Aufforderung an alle deutschen Männer im Alter von 18 und 50 Jahren, sich bei den Franzosen zu melden, bin ich allerdings nicht nachgekommen. Mit der Folge, dass ich bis heute ein aus der deutschen Wehrmacht nicht entlassener Soldat bin. Das hatte aber keine weiteren Folgen.

Darf man sechzig Jahre danach der Opfer gemeinsam gedenken, auch der deutschen?

Opfer sind Opfer, gleich wer die Täter sind. Was wäre das auch für eine Einstellung, wenn man Opfer verschiedener moralischer und menschlicher Grade hätte! Dass uns der ganze Krieg mit seinem ganzen Leid beschäftigt, kann niemanden verwundern oder entrüsten. Unerträglich wird es in dem Moment, wo die falschen historischen und politischen Vergleiche angestellt werden. Ich habe den Holocaust immer als etwas vollkommen Einmaliges empfunden. Wir werden mit der Last der Vergangenheit niemals fertig werden, wenn wir nicht bereit sind, die historischen Kausalitäten zu akzeptieren.

Gibt es denn Tätervölker? Oder Opfervölker?

Wir haben keinen kollektiven Täterbegriff in unserer Vorstellung von Rechtsstaat und Freiheit, und natürlich auch nicht den Begriff des Opfervolkes. Schuld wie Unschuld ist immer etwas persönlich und nie kollektiv. Wir haben den Krieg geführt, der auf allen Seiten unmenschlich war. Denken Sie an die Bombardierung Dresdens, der wir am 13. Februar gedacht haben.

...

Ist der Blick auf den 8. Mai auch heute noch unterschiedlich in Ost und West?

Ja. Sie brauchen sich nur konkrete Probleme anzusehen. Sollen die baltischen Präsidenten zur Siegesfeier 60 Jahre nach Kriegsende nach Moskau fahren? Kann man es ihnen übel nehmen, wenn sie sagen: Wir können doch in Moskau nicht die These bestätigen, dass die Rote Armee unsere Baltikum befreit hat? Auf der anderen Seite hat Putin ein berechtigtes Interesse daran, dass die Präsidenten der selbstständig gewordenen Länder nach Moskau kommen. Keine leichte Aufgabe.

Erscheint es Ihnen angemessen, dass der deutsche Bundeskanzler oder der deutsche Bundespräsident an all diesen 60-Jahr-Feiern (in Moskau, Partisan™) teilnehmen?

Jawohl.

Warum?

Ohne Einschränkung.

Bei der Feier der Sieger?

Es ist die Feier der Überwindung der Urkatastrophe, die die beiden Weltkriege in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts über Europa gebracht haben.

Bei der Feier der Sieger?

Das Wort Feiern kommt uns nicht so leicht über die Lippen. Aber die tiefe historische Freude darüber, dass wir Europäer, nachdem wir Jahrhundertelang immer bloß Kriege geführt haben, nun einen Weg zu einer Kooperation gefunden haben, wie ihn die Weltgeschichte bis dahin nicht gesehen hat. Dass wir Deutsche, die wir von neuen Nachbarn umgeben sind - nur Rußland hat mehr Nachbarn - in einem Zustand leben, wo niemand vor uns Angst hat und wir uns von niemandem bedroht fühlen, das ist wahrlich ein Grund zur historischen Freude.

> Dieser alte Sack! Watt soll man dazu noch sagen...

Mir stellte sich nach dem Lesen nur die Frage: Darf man eigentlich steinalte Männer verprügeln? Ist das moralisch verwerflich? Und wenn ja, dann stellt sich für mich aber nicht die Frage, ob man diese Menschen dann auch so kritiklos interviewen muß...

Apropos Alter. Wolfgang Pohrt meinte einmal, die einzige Revolution die in diesem Land noch möglich wäre, ist die Revolution im Altersheim... So siehst aus. Recht hat er, der alte Sack!

Und wenn er mit seinen ehemaligen Genossen im Altersheim einfach nur dem Weizsäcker einen Strick etwas enger um den Hals legen würde, dass wäre zwar nicht revolutionär, dann hätten wir aber ein wenig mehr Ruhe... es wäre fein.

Aber genug der Gewaltphantasien. Okay, Zeitung weglegen, zweiten Gang einlegen und die Sportzigarette im Mund anzünden: Ick bin draußen.... Partisan™

ZÜNDEL zurück in DEUTSCHLAND

Kanada hat den Holocaust-Leugner Ernst Zündel am Dienstag nach Deutschland abgeschoben. Zündel sei in eine Sondermaschine gesetzt worden, hieß es am Dienstagnachmittag aus Sicherheitskreisen.

Gegen Zündel liegt seit 1996 ein Haftbefehl des Amtsgerichts Mannheim vor. Die Mannheimer Staatsanwaltschaft wirft Zündel Volksverhetzung, Beleidigung und Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener vor. Zündel gibt den unregelmäßig erscheinenden "Germania-Rundbrief" heraus. Die Frau des Holocaust-Leugners betreibt im Internet die "Zundelsite". Da wird beispielsweise behauptet, in Auschwitz habe es keine Gaskammern gegeben, und es seien dort kaum mehr als 30 000 Juden "an Krankheiten und Übervölkerung" gestorben.

Ende der fünfziger Jahre verließ Zündel die Bundesrepublik und siedelte nach Kanada über. Es gelang ihm aber nicht, die kanadische Staatsbürgerschaft zu bekommen. Im Jahr 1991 sollte er bei einem rechtsextremen Kongress in München auftreten. Die Polizei nahm ihn dort fest, das Amtsgericht München verurteilte Zündel zu einer Geldstrafe in Höhe von 12 600 Mark. Zündel kehrte dann wieder nach Kanada zurück. Vor zwei Jahren wurde er in den Vereinigten Staaten wegen illegalen Aufenthalts festgenommen und nach Kanada abgeschoben. Dort nahmen ihn die Behörden in Abschiebehaft.

In Kanada gilt Zündel wegen seiner Hass-Propaganda und Verbindungen zu rechtsextremistischen Gruppen als Sicherheitsrisiko. In Deutschland bestimmt nicht, das ist ja solch ein Verhalten alà Zündel normal...

FISCHERs FRIENDs

Die Rede des deutschen Außenminister, Joschka F., bei der Eröffnung der iranischen Botschaft in Berlin am 16. Februar 2005 findet ihr, leider nur auf englisch,
hier.

Am selben Tag faßte die EU den Beschluss, der Hizbollah, anstatt sie auf die Schwarze Liste der Terrorgruppen zu setzen, weitere Rückendeckung zu geben...

EIN WORT ZUM ADOLF:

"Wissen Sie, ich konnte das nicht ernst nehmen. Ich kann es auch heute noch nicht begreifen, dass ein Mann wie Hitler, mit seiner fürchterlichen Stimme, mit diesen abgehackten Sätzen, mit dieser ganzen jämmerlichen Gestalt Menschenmassen in Begeisterung versetzen und Frauen zur Hysterie bringen konnte."

Fritz H. Landshoff

B E R L I N L O V E ! - FOREVER?

Jetzt neu! Endlich auch in Berlin: eine Zeitung die sich den Einsatz! aus Göttingen zum Vorbild nimmt. Warum? I don`t know... Wahrscheinlich weil die Redaktion dieses Blattes fast komplett nach HipTown Berlin gezogen ist und nun auch hier ein Zeitungsprojekt zu Profilierung der eigenen Unfähigkeit an den Start bringen wollte? Nicht ist doch schlimmer als Langeweile, gell, liebe Redaktion des ANTIBERLINER?

Okay, viele der aktiven Antifaschisten in Berlin sind zugezogen. Zugezogen aus der ländlichen Provinz; um auf die letzten Tage der eigenen Jugend noch mal ein wenig auf den Putz zu hauen... Verständlich. Im Gegensatz zu den pseudorebellischen Landeiern von der Redaktion des ANTIBERLINERS wissen die meisten Antifaschisten auch noch warum. Kennen ganz genau den Vorteil in der einzigen Großstadt dieses Landes zu leben.

Die Anonymität, das Wissen darum, dass nicht an jeder Ecke ein Rudel von Neonazis herumsteht, weit weg von der eigenen Familie endlich mal ein wenig aufatmen können, mehr Auswahl in allem (Partys, Veranstaltungen, Theater, ...), viele Freaks, Nichtdeutsche, Touristen sowie Antideutsche usw. ...

Sie würden nie auf die Idee kommen ein ‘Kampfblatt gegen den Potsdamer Platz’ zu veröffentlichen. Dazu gibt es ja auch kaum Grund. Eher gäbe es gute Gründe komplett auszuwandern und von da aus regelmäßig ein Kampfblatt gegen ‘germany and old europe’ zu verfassen, anstatt weiter sein Dasein irgendwo in der deutschen Provinz zu fristen, wozu letztendlich ja irgendwie auch fast Berlin gehört...

Solche Erkenntnisse kommen aber den Verfasser des ANTIBERLINER kaum. Sonst würden sie nicht in ihrem ersten Heft die gleichen Themen abhandeln, wie es seit einigen Jahren in den Antifa Jugendinfos üblich ist. Mal abgesehen vom Layout ist von Fortschritt keine Spur. Ein wenig Kapitalismuskritik hier, ein wenig Antifa da, dann noch schnell Aufklärung über die neusten Überwachungskniffe und den HipHop mal kritisch unter die Lupe genommen, fertig ist der linke Einheitsbrei.

Während die Mädels und Jungs von der Redaktion diesen, ihren, Brei weiter anrühren, dabei hoffen mit ihrem Zeitungsnamen hip zu sein, fragen sich die Leser zu recht: Was ist verdammt noch mal ein Antiberliner? Bin ich womöglich so etwas?

Meine Antwort: ‘Ich glaube kaum’. Eher kommen folgende Vermutungen, die irgend jemand im DUDEN gefunden hat, hin:

ANTIBERLINER; ein blöder Brandenburger der gegen die Fusion der beiden Bundesländer ist. Auch Schwaben und Sachsen die in Berlin leben, aber die Schnauze voll haben, weil sie andauernd wegen ihres Akzents verarscht werden, gehören dazu. Ein paar Tekknofreaks, die wegen der Absage des Berliner Senates die Loveparade zu finanzieren ein mächtiges Problem mit der Stadt haben, gesellten sich im Laufe der Zeit dazu. Und derzeit überlegt eine Gruppe von Hamburgern womöglich mitzumachen, da sie mit den BERLINERN noch einige offene Rechnungen begleichen wollen.

Laut Impressum soll es Eberhard Diepgen (CDU), die alte Eminenz, sein. Wäre fast logisch, der hat noch so einige Rechnungen mit dem aktuellen SPD-PDS-Senat zu begleichen. Doch nach einigem Blättern stellt sich dann doch die dumme Ahnung ein, es hier wahrhaftig mit einem Heftchen zu tun zu haben, welches aus dem Umfeld der Antifaschistischen Linken Berlin (ALB) kommt und genau jenes Umfeld auch wieder zur Zielgruppe hat.

Womöglich wirklich produziert von einer Rumpftruppe des Einsatz! aus Göttingen, die hier in der Hauptstadt für die richtige ‘Unity’ - Stimmung innerhalb der linken Szene sorgen soll. Wenn es Spaß macht... Partisan™

Sonntag, Februar 27, 2005

BÜRGER gegen RECHTS?

Am 23. Februar vor 75 Jahren begab es sich das im Berliner Stadtteil Friedrichshain der, mir persönlich sehr sympathische, kommunistische Kleinkriminelle Ali Höhler auf den relativ bekannten Nationalsozialisten Horst L. Wessel traf und ihn dabei um sein unwürdiges Leben brachte. Ein Grund, den die organisierten Neonazis immer wieder zum Anlaß nehmen, um am 23. Januar ihrem Märtyrer zu gedenken.

Meistens enden diese Versuche etwas ‘Großes’ auf die Beine zu stellen in kleineren Gedenkaktionen, wie z.B. Kranzniederlegungen, sprich peinlich. In diesem Jahr war es arg katastrophal was die Neonazis hinlegten. Aber auch ihre Antipode, die autonomen Antifaschisten, war nicht viel besser.

Aber zuerst zu den deutschen Volksgenossen: Zusammenfassung eines Debakels. In Potsdam wurde eine Wagenladung voll Jungnazis aus Berlin dabei verhaftet, als sie gerade vom Plakatieren in der Landeshauptstadt zurück nach Hause in die ‘Reichshauptstadt’ fahren wollten. In ihrem Auto fand die Polizei die Utensilien vom Plakatieren sowie eine Waffe. Der Rest der braunen Horden stand sich am 23. Januar 2005 seine Beine vor dem letzten Wohnsitz ihres Helden in den Arsch. Das war in der Frankfurter Allee. Bei bitterer Kälte kam ein Rudel von 31 Kameraden zusammen, und heulte um die Wette. Was ja wohl als ein Bombenerfolg zu bewerten ist.

Die Kränze für Wessel machte die Gegenseite klar, also räumten sie ab...

Aber viel mehr bekamen die organisierten Antifaschisten wohl nicht gebacken. Während nämlich im Friedrichshain die Neonazis demonstrierten, war die Antifa Friedrichshain, nebst Jugendantifa, und ihre Freunde in Berlin-Mitte. Sie standen vor dem Friedhof auf dem der Vater von Horst L. Wessel begraben liegt. Die Szenerie war schaurig. Neben der Rotfrontkämpfer-Mukke war auch noch komisch, dass die Kundgebung genau anfing als der Friedhof zu machte. Funny: Eine Blockade nach Ladenschluß.

Aber einen Gewinner des Tages gab es dennoch. Der RBB nahm die antifaschistische Kundgebung freudig zum Anlaß seine Mobilisierung zum Aufstand der Anständigen weiter zu forcieren. Die Abendschau berichtete, eigentlich überraschend, von den Protesten und stufte dabei die Teilnehmer auf der Kundgebung als ‘Bürger gegen Rechts’ ein.

War da nicht mal etwas? Eine Zeit in der Ähnliches geschah? Eine Zeit, die vielleicht noch einigen als ‘Antifa-Sommer’ noch im Gedächtnis sein sollte? Auch damals wurde in den Zeitungen der schwarze Block der Autonomen mal ganz fix zu einer Kundgebung von Bürgerinnen und Bürgern gegen Rechts gemacht. Wir erinnern uns? Wenn nicht, oooch egal, ändert ja eh nichts. Auch nicht meine Pläne diesem Land auf kurz oder lang den Rücken zu kehren...: Mit einem Lied auf den Lippen entschwindet; Partisan™

A N T I S E M I T Christian A N D E R S

Nachdem in der neuen KONKRET ein Artikel über den Schlagersänger Christian Anders erschienen ist, haben sich einige kritische Menschen mal dessen Website näher angeschaut.

Tatsächlich gibt es keine seiner Kolumnen, die nicht voll Antisemitismus, Verschwörungstheorien, Antizionismus etc. wäre. Als als Beispiel nur sein aktueller Kommentar zu dem Besuch von Bush in Deutschland.

Da Anders kein isolierter Spinner ist, sondern regelmäßig im Fernsehen auftritt, sollte es doch eigentlich möglich sein, das zu skandalisieren und beispielsweise Sender, die ihm ein Forum bieten, unter Druck zu setzen. Immerhin beruft er sich in seinen Texten ganz offen auf die "Protokolle" und ähnliches.

Mensch kann ihm ja auch mal persönlich die Meinung geigen, laut Anders Website ist er am 16. März 2005 in Leipzig auf der Buchmesse

The END oft the RUMBLE in the JUNGLE?

Als regelmäßiger Leser der linken Wochenzeitung JUNGLE WORLD bin ich ja schon so Einiges gewohnt. Was eigentlich? Gute Frage. Bunte Comics, Liebe Ware, Schlechte Diskos, ja und eben noch einiges mehr ...

Mittwochs freue ich mich auf die neueste Ausgabe fast nur noch wegen der JUNK World, sprich den bunten Comics. Die ein oder zwei interessanten und wichtigen Artikel pro Ausgabe erreichen mich meistens, bevor ich überhaupt die Printausgabe aus dem Briefkasten angle, per Mail, so dass ich wirklich nur noch auf die letzte Seite blättere und hoffe das sich Fil, Natz (der) & Co. wieder mal über die Woche ein paar 'Brüller' einfallen lassen haben... Was sie dann auch meistens tun.

Besonders der Strip BIGBEATLAND ist dabei in der letzten Zeit immer mehr in den Mittelpunkt meines Interesses gerückt. Anfangs weil die wirklich tragikkomische Situation zwischen der Antizionistischen Front (AZF) und der Antideutschen Fraktion (ADF) jederzeit dem realen Leben entsprungen sein konnte, später weil der Strip sich in den üblichen Vorurteilen der so genannten 'differenzierten' Linken verfangen hatte und er in der Versöhnung zwischen beiden Antipoden zu münden schien.

Diesem, meinem Vorurteil, scheint nun in der aktuellen Ausgabe der Weg komplett geebnet worden zu sein. Nach dem mißglückten Anschlag der AZF auf die ADF nimmt sich der Kopf der Antiimps ein Herz und will endgültig auspacken. Da er so verstockt wie ein Karpfen ist, braucht er die schriftliche Kommunikation, so wie er vorher die militanten Aktionen brauchte, um sich auszudrücken. Bis dahin noch echt geil, aber dann dieser hippieske Abklatsch einer Bettkommunikation der auch noch im Showhighlight alá 'Nur die Liebe zählt' endet. NEIN.

Auch wenn ich aus bitterer Erfahrung sagen kann, dass auch dies der Realität entspricht, Bettkommunikation der übelsten Art, so dass letztendlichen einer/m im Bett klar ist, dass die/der jeweilige Partner/in nur emotional Politik begreift oder einfach gar nicht, heisst das noch lange nicht, dass dies das Ende der Geschichte ist oder war, hoffentlich auch nicht sein wird. Bei BIGBEATLAND roch es eine zeitlang nur danach, jetzt ist es manifest. Im Zeichen des Friedens versöhnten sich zumindest emotional im heutigen Strip die wichtigsten Protagonisten des inhaltlichen Streites.

Ich frage mich: Musste das sein? Wo führt das Alles hin? Gab es nicht wenigstens den Funken einer Hoffnung auf ein besseres Ende, als das was nun vorliegt: die Versöhnung eines Bruderzwist? Verpackt durch die leidliche Verquickung von Liebe, Familie und Politik? Was muss denn in diesem Land passieren, dass auch mal ernsthaft über eine Alternative zum kollektiven Kampf gegen was auch immer, in BIGBEATLAND sind es wohl, getreu der Blattlinie, die Neonazis, wenigstens nachgedacht wird?

Die Lindensraße der radikalen Linken hätte BIGBEATLAND werden können, nicht mehr, aber auch nicht unbedingt weniger. Doch nun scheint es nur der farbefrohe Versuch zu sein, die zu Recht verfeindeten Subjekte zu versöhnen. Nun, ich würde mich freuen, wenn ich doch noch eines Besseren belehrt werde, aber wahrscheinlich setzten sich im Comic die linken Debatten als eine der unzähligen Facetten der deutschen Familiengeschichte einfach nur fort... Dann wären die Tage von BIGBEATLAND gezählt: Zum Abschluß bleiben nur noch die Grüße...

Die gehen raus an: Ol (gute Besserung), J* (laß dich nicht als Tabakrestesammlerin von Computertatstaturen abstempeln) und Buzz Lightgear (du weist schon, dass Du gemeint bist!). Ich bin draußen, ... Partisan™

PS: Über den aktuellen Artikel von Stefan Vogt hülle ich den Mantel des Schweigens. Fällt mir echt schwer...